Eine Reise nach Japan stand noch nicht auf unserer Fokusliste, bis uns Ex-Kollegen von dem Kollegen in Schoenaich erzaehlt hatten, der auf privater Basis Reisen im Land der aufgehenden Sonne organisiert. Wir hatten fuer Maerz schon Laos mit Rucksack geplant und wollten im Winter 2019 / 2020 erst wieder auf groessere Reise gehen. Doch dann kam die Info, dass Thomas Heinlein an Pfingsten einen weiteren Trip mit nur 10 bis 12 Teilnehmern einschiebt. Da konnten wir nicht widerstehen, haben mit Thomas telefoniert und Alles klar gemacht. Als dann die Anmeldeliste immer laenger wurde, wollte ich ( Thomas ), beim Erreichen von 15 Teilnehmern, aussteigen. Doch Hannelore hatte sich inzwischen so auf Japan gefreut, dass wir es nicht fertigbrachten. Am Ende waren es mehr als 20 Teilnehmer und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte. Ich sah uns permanent nur warten.
Um es abzukuerzen: es hat super funktioniert; wir waren eine sehr homogene Gruppe was Ausdauer, Geschwindigkeit, Puenktlichkeit und Umgaenglichkeit betrifft. Natuerlich gab es unterschiedliche Interessen, aber auch das hatte keine Auswuechse in die eine oder andere Richtung zur Folge.
Diese Homogenitaet war die Basis dafuer, dass Thomas das eng getaktete Programm relativ entspannt managen konnte; grosses Kompliment an Thomas fuer diese souveraene Leistung und an seine Frau fuer die praezise Planung im Hintergrund.
Ich erwaehne Ausdauer und Geschwindigkeit nicht umsonst: wir haben die komplette Reise mit oeffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuss absolviert. Das taegliche Laufpensum lag zwischen 12 km und 20 km. So ist das Erlebnis nicht auf die Sehenswuerdigkeiten beschraenkt, sondern man bekommt auch einen Eindruck vom Alltag im Land, sieht Gassen und Viertel, die sonst nur an einem vorbei huschen und hat die Chance, Einheimischen und Travellern zu begegnen, die sich gerne austauschen. Genau so sind wir auch unterwegs, wenn wir alleine reisen, bis auf eine kleine Abweichung: die Oeffentlichen ersetzen wir je nach Region durch einen geeigneten Camper, um noch unabhaengiger zu sein ;-)
Wir koennen Jedem, der einen ersten Eindruck von Japan gewinnen moechte und nicht von Tag eins an mit den Schwierigkeiten der fremden Schrift und Sprache kaempfen will, eine Reise mit Thomas empfehlen, selbst wenn die Gruppe eine etwas ueppigere Groesse annimmt; es kann trotzdem reibungslos funktionieren und riesig Spass machen.

Bei Interesse geht einfach auf die Homepage von Thomas Heinlein und informiert Euch. www.nippon-ryoko.de

Im Screenshot oben : gruen = Zug rot = An- / Abflug
Im Screenshot unter: Schwerpunkte in Tokyo
 
 
 
 
 
 
 
 
Tokyo ist die groesste Metropolregion der Welt mit fast 40 Mio. Einwohnern. Unser Hotel liegt fuenf Gehminuten entfernt von der Ueno Bahnstation mitten im Zentrum und wir koennen nachts bei offenem Fenster schlafen; so ruhig ist es. Warum erwaehne ich das explizit? Weil es der erste Aspekt ist, der uns auffaellt und der, zumindest nach unserer Erfahrung, Tokyo von allen anderen uns bekannten Grossstaedten ( und das sind nicht wenige ) unterscheidet. Der Verkehr ist fuer so einen Moloch von Stadt eher unauffaellig, diszipliniert und leise.
Um einen ausgepraegten Jetlag zu vermeiden, legen wir uns nicht hin, sondern laufen gleich los, durch Nebenstrassen mit niedriger Wohnbebauung und kleinen Laeden, immer Richtung Sky Tree Tower, dem hoechsten Sendeturm der Welt ( 634 m ), der bei klarem Wetter von fast ueberall in der Stadt zu sehen ist. Wir landen im alten Bezirk Asakusa mitten im Lampionfest; es ist Samstag Nachmittag, schoenes Wetter und entsprechend viele Menschen sind unterwegs. Hier befindet sich auch eines der groessten Heiligtuemer, der Kannon Tempel mit einer 5-stoeckigen Pagode. In der Vormoderne das Amuesier-, Ausgeh- und Handwerkerviertel nach altem Muster, ist es das heute noch, natuerlich in die Moderne katapultiert mit Cafes, Restaurants, Einkaufspassagen, Souvenierlaeden und Manufakturen.
Vom 8. Stock des Visitors Centre haben wir einen tollen Blick auf den imposanten Sky Tree auf der anderen Seite des Flusses. Zwei Tage spaeter werden wir alle zusammen wieder dort sein und wir bekommen ein voellig anderes Bild vom Sky Tree; wir sehen nur die unteren ca. hundert Meter; der Rest ist in Wolken und Dunst: es regnet in Stroemen.
Anmerkung: eine 4-spurige Hauptstrasse fuehrt durch diesen Hotspot; es ist Wochenende; es sind tausende Menschen unterwegs; ich kann mich mitten auf die Strasse stellen und in aller Ruhe ein Foto vom Sky Tree machen !!!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es ist Sonntag und unseren ersten gemeinsamen Tag als Gruppe starten wir in Akihabara mit seinen riesigen Elektronik Malls. Zuegig geht es weiter zum Meiji Shrine. Wir haben Glueck; der Regen hat aufgehoert und so koennen wir neben der Tempelanlage die dort stattfindenden traditionellen Hochzeiten verfolgen. Besonders eine Gesellschaft ist sehr traditionell unterwegs; die Braut traegt das traditionelle helle Gewand mit der riesigen Haube. Die Gesellschaft ist durchweg sehr elegant, teilweise ebenfalls traditionell gekleidet. Ordner muessen immer wieder den Weg fuer die Prozession freimachen, da natuerlich jeder die Zeremonie fotografieren will. Stell ich mir auch nicht ganz angenehm vor.
Der Wettergott bleibt uns nicht gewogen; er hat auch alles Recht dazu, immerhin ist Regenzeit! Der Blick ueber die Stadt aus dem 45. Stock des Rathauses ist daher zwar getruebt, aber trotzdem spektakulaer. Genauso wie die verkehrsreichste Kreuzung der Welt in Shibuya: was Passanten betrifft, nicht Autos ;-)
Auch am folgenden Tag regnet es. Das macht es fuer mich ertraeglicher ( wenn auch grenzwertig ), dass wir von Laden zu Laden, von Mall zu Mall marschieren, unterbrochen nur durch die Bootsfahrt auf die kuenstlich angelegte Insel Odaiba. Mein Bedarf an Konsumtempeln ist für die naechsten 2 Jahre gedeckt, auch wenn es wirklch Abartiges zu sehen gab, wie z.B. eine komplette Mall-Etage nur fuer Hundebedarf: Hundewagen, Pampers, Regenmaentel, man kann es sich nicht vorstellen. Mein Highlight des Tages war definitiv der Abschluss in der Seniorenrunde in einem Sushi-Restaurant und dem Monstercrèpe als Nachtisch.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es ist an der Zeit, ein paar Worte ueber das Zugsystem zu verlieren: wir fahren heute mit dem Shinkansen nach Kyoto. Ich hatte schon die minutioese Planung der Reise erwaehnt. Ermoeglicht wird eine solche Taktung durch das excellente Bahnsystem. Die Schnellzuege verkehren jeweils auf eigenen Trassen mit 270 km/h; das ist nicht am Limit: sie koennen mehr als 300 km/h fahren. Dies fuehrt zum Einen dazu, dass sie eine momentane Verspaetung durch Ausnutzung der Reserven sofort wieder wett machen koennen und so jeder Shinkansen im Jahr nicht mehr als 1, in Buchstaben: EINE, Minute Verspaetung hat; zum Anderen erhoeht das nicht permanente Ausreizen des Grenzbereichs die Zuverlaessigkeit. Das sind nur einige technischen Voraussetzungen. Hinzu kommt der Faktor Mensch & Mentalitaet, dass naemlich jeder Japaner ( wie uebrigens auch wir als vorbildliche Touris ) seinen Muell mitnimmt und den Zug absolut sauber hinterlaesst, sowie hoechste Disziplin beim zuegigen Ein- und Aussteigen an den Tag legt; die Haltezeiten selbst an den groessten Bahnhoefen betraegt oft nur 3 Minuten: da muss alles ruck zuck gehen. Wir haben es mit 23 Leuten IMMER zusammen in und aus den Zuegen geschafft! Great Team!
Mit Bento Boxen ( japanische Version einer Vesper Box ) versorgt, uebersteht jeder den lediglich 2 3/4 Stunden Bullet Ride ohne Mangelerscheinungen und wir koennen in Kyoto unverzueglich unser straffes Tagesprogramm beginnen. Wir starten im Kinkaku-Ji mit dem goldenen Tempel, laufen zum Ryoanji Park mit einem doch sehr minimalistischen Zengarten und fahren danach mit dem Bus nach Gion, der Altstadt von Kyoto. Durch die engen Gassen mit den typischen Holzhaeusern, voll mit Souvenirs und Leckereien, steigen wir zum Kiyomizu-Dera hoch. Eine Tempelanlage im typischen Oranje ( Hollaendisch hoeren wir erstaunlicherweise nirgends ), die von den wechselnden Wetterlagen und dem dunklen Himmel profitiert und besonders intensiv leuchtet; das Fotografenauge freut es und der damit verbundene Regen wird gerne in Kauf genommen.
Am Morgen haben wir am Bahnhof den direkten Ausgang Richtung Hotel genommen und ich hatte mich schon gefragt, was jetzt das architektonische Highlight gewesen sein soll, von dem ich gelesen hatte. Am Abend weiss ich es; wir gehen extra dafuer nochmal zum Bahnhof, diesmal auf die andere Seite. Eine riesige offene Konstruktion ueber mindestens 5 Etagen oeffnet sich. Ueber Rolltreppen kann man bis unters Dach und dort ueber einen Steg laengs die gesamte Halle durchqueren. Rechts schaut man durch das verglaste Dach auf den bunten Kyoto Tower, links uebers Gelaender in die Tiefe der Halle. Am anderen Ende fuehrt eine gigantische Freitreppe hinunter auf die Bahnsteigebenen. Es ist beeindruckend. Leider werfen mich die Aufseher um 22:00 Uhr raus, weil dann die Hoehenlagen geschlossen werden.
Am naechsten Morgen steht noch die Gipfelbesteigung beim Inari Shrine mit den tausenden Toren an. Nahe dem Basislager sind noch Menschenmassen unterwegs, je hoeher wir kommen, um so weniger sind es. Wir sind warmgelaufen fuer den weiteren Tag.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Beim Zwischenestopp in Himeji besichtigen wir das wunderschoene weisse Schloss, bevor es weitergeht nach Okayama. Die Shinkansenfahrt ist zu kurz fuer eine Bento Box und so freuen wir uns auf das besondere und vermutlich einmalige Vergnuegen, ein Steak vom Kobe Rind zu geniessen. Dem Fleisch eilt ja der Ruf voraus, extrem teuer zu sein und dem wird es auch voll gerecht; sogar im Heimatland. Ein Gramm davon kostet 31 Yen, umgerechnet etwa 25 Cent. Und das ist lediglich Kobe-like. Das Restaurant ist so klein, dass wir nur nacheinander einen Platz finden; wir gehen inzwischen in Sichtweite zur Konkurrenz, was sich dann als spanische Tapasbar entpuppt, anstelle eines Japaners fuer eine andere Spezialitaet deren Namen mir entfallen ist. So kommt es, dass wir den groessten Hunger mit einem kleinen Tapa stillen und dann rueberstuermen, sobald wir sehen, dass ein Tisch frei wird. Und so kommen wir doch noch in den Genuss des wirklich vorzueglichen Kobe-like Steak und des grossen Lochs im Reisebudget. Aber, wie wir im Saarland sagen: hauptsach gudd gess.
Nach der Gaumenweide kommt am naechtsen Tag eine Augenweide, der Koraku-En Garten. Er zaehlt zu den 3 schoensten Landschaftsgaerten Japans, ist sehr weitlaeufig und bietet immer wieder voellig neue Perspektiven und Kompositionen.
Viel kleiner aber nicht minder schoen ist der Shukkeien Garten in Hiroshima mitten in dieser modernen Stadt. Durch und durch modern, weil die Historie 1945 mit dem Abwurf der ersten Atombombe ausgeloescht wurde, genauso wie 140.000 Menschenleben direkt und niemand weiss genau wie viele indirekt. Der A-bomb dome ist als Mahnmal für diesen traurigen Tages erhalten worden, der Memorial Park mit dem Memorial Centre ist moderne Kontrastarchitektur. Tief erschuetternd die Ausstellung zur Zeitenwende. Nicht dass es in unserem Lande oder im naeheren Umfeld nicht genau so erschuetternde Anlaesse gaebe, aber durch den Kontrast zwischen ueberaus positiven Reiseerlebnissen und solchen Horrorszenarien sind wir nochmal verstoerter und fassungsloser. Jede dieser Erfahrungen bleibt haften und praegt unsere Einstellung zu Gewalt, auch wenn wir am naechsten Tag ( zum Glueck ) die schoenen Seiten der Reise wieder geniessen koennen.
Und da geht es nach Miyajima zum weltbekannten Motiv mit dem orangenen Tor im Wasser. Das eigentliche und anspruchsvolle Ziel ist aber der Mount Miesen. Durch herrliche Natur fuehren uns die Wege, grossteils Treppen, steile Haenge hinauf bis wir nach Ueberwindung von etwa 600 Hoehenmetern schweissgebadet den Gipfel erreichen und die herrliche, wenn auch truebe Aussicht auf Hiroshima geniessen. Wir wissen, dass es uns Knie und Hueften sehr uebel naehmen, wuerden wir sie jetzt zu 600 Tiefenmetern zwingen, also hoeren wir auf unsere Gelenke und nehmen die Seilbahn talwaerts. So ueberstehen wir gemeinsam gesund und munter weitere Touren. Und die 4 Stunden Zwangspause bei der Heimfahrt nach Tokyo im Shinkansen unterstuetzen die Regeneration.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Den freien Tag in Tokyo lassen wir so locker angehen, dass die Galerien und Museen im Uenopark schon schliessen, nachdem ich in Akihabara bei Yodobashi Camera ein Objektiv gekauft habe. Der Kauf in Japan lohnt sich nur, weil es an diesem Tag diverse accumulierende Preisaktionen gibt, so dass selbst nach Verzollung ein deutlicher Vorteil gegenueber dem Kauf in Deutschland bleibt.
Und schon geht es wieder mit Bento Boxen in einen Shinkansen; diesmal nach Norden auf die Insel Hokkaido. Allerdings gehen wir nicht nach Sapporo, sondern in die kleinere Stadt Hakodate mit einem Markt, der ganz auf Fisch ausgelegt ist. Niemals zuvor haben wir so grosse Oktopusse und Hummer gesehen. Der Pananoramablick ueber die beleuchtete Stadt bleibt uns verwehrt, da sich genau am Aussichtsberg Nebel festgesetzt hat.
Zur Orientierung: 1 Euro = 120 Yen
Waren wir bisher immer im Bullet Train unterwegs, steigen wir jetzt in die Bummelbahn, um der Kueste entlang bis zum Toya See zu gelangen. Wir beziehen ein spektakulaeres Hotel, dessen Lobby zum See hin voll verglast ist und einen gigantischen Ausblick ueber den See bis zu einem Vulkan im Hintergrund bietet. Die Zimmer im japanischen Stil stehen dem in fast nichts nach.
Neben der eindrucksvollen Landschaft rund um den Toya See beeindruckt uns aber noch etwas ganz anderes: eine uraltes japanischen Ritual: ONSEN.
Maennlein und Weiblein getrennt begeben sich in grosse Waschraeume mit vielen Duschen und Hockern. Hier erfolgt erstmal eine gruendliche oder besser gesagt eine gruendlichste Vorreinigung vom Scheitel bis zur Sohle; das darf ruhig auch mal 10 Minuten in Anspruch nehmen; dann ist auch der skeptischste Japaner ueberzeugt, dass fuer adaequate Hygiene gesorgt ist. Erst dann geht man in den Baederbereich und taucht in die unterschiedlich heissen Becken ein. Man kann es vielleicht am ehesten mit einer Kombination aus Sauna und Thermalbad bei uns vergleichen. Oje; hoffentlich ist das kein ganz grosser Fauxpas; die Japanspezialisten werden es mir nachsehen. Das besondere an diesem Onsen ist, dass man im heissen Wasser sitzt und den gleichen spektakulaeren Panoramablick ueber den See auf die Berge hat. Und zur Kroenung gibt es dann bei Dunkelheit noch ein Feuerwerk auf dem See; jeden Abend. Unglaublich.
Nach Nobori Betsu fahren wir ebenfalls primaer zum Onsen; hier ist klar, woher das heisse Wasser kommt: ueberall im Berg dampft und brodelt es. Japan liegt schliesslich auf dem pazifischen Feuerring und ist eine der explosivsten Regionen der Welt. Waehrend unserer Reise gab es wohl 2 groessere Erdbeben der Magnitude 4 und 6 auf der Richterscala. Sie waren wohl in Tokyo spuerbar, aber nicht im Norden, wo wir zu der Zeit unterwegs sind. Waere etwas zu spueren gewesen, haette ich es sicher gemerkt. Seit ich das grosse Beben 1989 in Californien im Silicon Valley miterlebt habe, bin ich sensibilisiert. Es hatte eine Staerke von 7,1 auf der Richterskala und hatte die ganze Bay Area ins Chaos gestuerzt. Es ist erstaunlich, dass sich die Hightech Industrie sowohl in Ost wie in West genau in diesem Spannungsfeld der Naturgewalten konzentriert.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Waehrend ein grosser Teil der Gruppe die letzten 3 Tage auf die Insel Okinawa fliegt, bleiben wir in Tokyo und machen Privatprogramm. Yokohama, selbst eine mehrere Millionen Einwohner Stadt ist Teil der Metropolregion. Wir fahren mit dem Zug nur 30 Minuten und sind im Hafenviertel Minato Mirai. Dank an Ursula, die uns den Tipp gegeben hat. Wir lieben ja moderne Architektur und auch die Skyline von neuen, aus dem Boden gestampften Vierteln. Und genau das finden wir hier. Allerdings muss man sagen, dass auch hier die Zurueckhaltung in der japanischen Mentalitaet sichtbar wird, wie uebrigens auch in Tokyo und in den normalen Wohngebieten. Es gibt einzelne optisch herausstechende Bauwerke wie z.B. den Sky Tree Tower, im Grossen und Ganzen sind die Wolkenkratzer aber eher schlicht gehalten und konkurrieren nicht um irgendwelche Maxime. Eher dezent wird z.B. darauf hingewiesen, dass der Aufzug im fast 300 Meter hohen Landmarktower einer der schnellsten der Welt ist. Tatsaechlich sind wir in rd. 40 Sekunden im 69sten Stock. Auch wenn wir keine Fernsicht haben ( zum Glueck hatten wir den Fuji vom Zug aus auf der Fahrt nach Kyoto gesehen ), ist die Aussicht ueber den Hafen bis hinauf nach Tokyo aeusserst beeindruckend. Und: es regnet nicht!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
I write this chapter in English because i want Eri and her family to be able to read it.
A few weeks before our trip 3SAT ( a German TV channel ) broadcasted a special: 24 hours documentaries and movies about Japan. In one of the stories there was an organisation mentioned that connects Japanese people interested in cultural exchange with people like us, foreigners interested in getting a bit more insight in the life and culture of the country we visit. So we contacted Nagomi Visit www.nagomivisit.com and a few days later we received an e-mail from Eri introducing herself and her family and in return we introduced ourselves. We stayed in touch and made arrangements to get together when we are there.
Eri and Aki, one of the daughters, pick us up at the train station. Eri speaks American English like a native speaker: she spent 4 years in college in the United States. The whole family speaks English which makes it easy for us to communicate. We go to the parents house first. We are very excited about the opportunity to meet nice people in their environment. We get a very warm welcome and Eris mother is treating us with a traditional tea ceremony. Very touching.
On the wall in the living room we see a photo of Neuschwanstein and we ask how it comes; 25 years ago the parents were with Eri in Germany. And because they were interested at the time in the way of life and cost of living the mother thought we might as well be interested and collected some real estate ads and supermarket promotions. So we got a pretty good idea of how housing in the Tokyo metropolitan area, not downtown, compares to housing in Germany and we figured out that 45 minutes by train from the centre prices for apartments are comparable to the prices in the S-Bahn distance of Stuttgart.
In regard to food Japan is a bit more expensive but when it comes to fruit it is extremely expensive and we could not figure out why.
We get to see the hole house and that is very interesting: dining room with table and chairs, the fitted kitchen and the bathrooms are like in Europe. Totally different though are the bedrooms and the living room. While we have beds and cupboards in Japan it seems to be very common to roll out the futon on the tatami floor to sleep on. During the day the futon is stowed away. In the living room there is typically a flat TV on the wall but that seems to be the only commonality: no sofas no armchairs no side boards no rugs; unlike us Japanese are used to kneel on the floor and sit comfortably that way. Unfortunately impossible for me with my problems with back and knees.
We have a wonderful time with Eris mother, we lough a lot together and we will see her again later in the evening but for now we leave the house with Eri and Aki to drive to their apartment only about 10 Minutes away. Yuji, Eris husband is home with the older daughter, Fumika. After work he picks her up from Kindergarden. And here we have another commonality with Germany: it is very difficult for families to find a Kindergarden place, especially when the grandparents of the children live close by. They are expected to support their children in that regard. So for Fumika they found a place but not for Aki. That is why Eri, who is a teacher, cannot work at the moment.
I stay at home with Yuji and Fumika while Hannelore and Eri go to the supermarket to do the shopping for the evening meal.
While the two women cook together a delicious dinner we play memory with the children and i tell Yuji, who teaches structural engineering at the university, about a very old way houses in Central Europe used to be constructed starting in the 13th century: the Fachwerk. Yuji is very interested and looks it up right away on the internet. At the beginning the kids are a bit shy but in the course of the evening and joining forces with the grandparents they overcome it.
We all sit around the dining table, talk about various subjects, compare different aspects of daily life in Japan and Germany, have great fun and lough a lot. And not to forget: at least Yuji and I not only enjoy the delicious food but also a very tasteful sake.
But: a great day comes to an end; we need to catch our train back to the centre of Tokyo and our hosts need to bring the kids to bed, the parents need to drive home. We are very thankful for this experience and we really do hope to see you in the nearer future in Germany. Our friends know that we do stay in touch with people even we cannot see each other during long periods of time; so be assured we will stay in touch. Thanks again to the whole family for making us feel warmly welcome and being with friends.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hatten wir gestern die Chance, uns mit Japanern auszutauschen, treffen wir heute, an unserem letzten Tag, Ursula. Sie lebt seit 6 Jahren mit Markus, Ihrem Mann, in Tokyo. Markus arbeitet für einen deutschen Konzern. Sie teilen mit uns Ihre Erfahrungen, als Auslaender in der japanischen Gesellschaft zu leben, sowohl privat als auch beruflich. Wir waren selbst viele Jahre in der Situation, allerdings waren die kulturellen Unterschiede nicht so gross. Und selbst dann macht es den Alltag extrem spannend, manchmal auch sehr anstrengend. Das koennen wir sehr gut nachvollziehen.
Wir lernen Ursula ueber unsere Freunde Bettina und Walter kennen; vorab nur per WhatsApp. Wir verstehen uns prima, treffen Verabredungen fuer unseren freien Tag und ziehen gemeinsam durch die Stadt. Markus wird erst am Abend zum Essen dazu stossen.
Im Metropolitan Museum gibt es eine Klimt Ausstellung, die wir uns gemeinsam ansehen wollen. An der Kasse gibt es schon eine lange Schlange, aber was wir dann in der Ausstellung erleben, ist wirklich einzigartig: die Menschenmassen gehen in 4er oder 5er Reihen nebeneinander durch die Saele; in einer schier endlosen Schlange. Zum Glueck sind wir alle drei groesser als die Meisten hier und koennen somit ganz nach innen gehen und ueber die Schlangen hinweg die Bilder betrachten.
Wieder an der frischen Luft schlendern wir durch den alten Stadtteil Yanaka mit seinen kleinen Geschaeften und traditionellen Holzhaeusern. Im krassen Gegensatz dazu steht der moderne Stadtteil Roppongi Hills mit den Geschäfts- und Buerotuermen und dem Blick auf den Tokyo Tower. Ueber den riesigen alten Aoyama Friedhof gelangen wir schliesslich nach Akasaka, wo Ursula und Markus wohnen und wo wir uns zum gemeinsamen Abendessen mit vielen verschiedenen typischen Gerichten treffen. Alles schmeckt hervorragend und wir verbringen einen sehr schoenen Abend zusammen. Ganz herzlichen Dank Euch Beiden dafuer und besonderen Dank an Dich, Ursula, fuer den harmonischen und spannenden gemeinsamen Tag.
Eins hab ich vergessen: in dem alten Viertel kommen wir an einem winzig kleinen Messerladen vorbei; weder Ursula noch Hannelore koennen wiederstehen und kaufen beide eines dieser handgefertigeten japanischen Kuechenmesser. Hannelore ist total begeistert, da es tatsaechlich nochmal deutlich besser seine Arbeit verrichtet, als jedes noch so scharfe Messer aus deutscher Markenherstellung.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Abschlußbemerkungen

In diesen 2 Wochen sehen wir extrem viel von Japan; der Schwerpunkt liegt, zumindest fuer uns, die wir nicht nach Okinawa fliegen, auf Tokyo. Sicherlich kann man dort alleine leicht 2 Wochen und mehr verbringen, zumal es keine anstrengende Stadt ist, sofern man nicht zur Rushhour mit der Bahn unterwegs sein muss. Alles laeuft diszipliniert ab, die Menschen sind freundlich und ueberall ist es extrem sauber, zumindest nach vorne; schaut man um die Ecken oder hinter Haeuser, sieht es oft ganz anders aus. Aber das betrifft uns als Touristen erstmal nicht; wir koennen uns wirklich wohl fuehlen. Ursula berichtet zwar von ganz anderen Situationen, aber wir persoenlich sehen in den Tagen in Tokyo nicht einen einzigen Stau, von Gehupe ganz zu schweigen. Wir koennen nicht glauben, dass wir uns mitten in einer Megametropole bewegen.
Japaner lieben es wohl, Kleinigkeiten zu essen. Staende mit solchen Leckereien sowie Getraenkeautomaten mit dutzenden unterschiedlicher Sorten sind allgegenwaertig. Man sagt, dass in Summe die ganzen Automaten die Kapazitaet von einem Kernkraftwerk verbrauchen.
Ebenfalls auffaellig ist die Menge an Plastikmuell, die hier produziert wird. Ganz, ganz vieles ist einzeln verpackt; stellvertretend sei eine Banane genannt. Vieles ist doppelt und dreifach eingewickelt. An jeder Ladentuer steht ein Staender mit Plastiktueten fuer die nassen Schirme. Die erste Tuete wird nicht etwas von Geschaeft zu Geschaeft mitgenommen, sondern beim Verlassen weggeworfen und der Schirm im naechsten Laden wieder frisch verpackt. Mit unserer Sozialisierung ist das natuerlich voellig inkompatibel. Genauso wie andersherum das Nichtvorhandensein von Muelleimern an oeffentlichen Plaetzen, Bahnhoefen etc. bei uns unweigerlich zu noch groesseren Muellhalden im oeffentlichen Raum fueren wuerde, als wir sie so schon haben. Nicht so in Japan. Jeder packt seinen Muell ein und nimmt ihn mit. Es waere undenkbar, seinen Mitmenschen etwas Anderes zuzumuten.
Wir sind froh, dass wir neben grossen Staedten wie Tokyo, Kyoto, Hiroshima etc. auch ein wenig von der landschaftlichen Vielfalt Japans mitbekommen; im Sueden auf der kleinen Insel Miyajima und im Norden auf Hokkaido. Den Fuji sehen wir leider nur aus dem Zug; ansonsten regnet es oder ist truebe, wenn wir auf irgendeinem Aussichtsturm stehen und theoretisch den Blick haetten. An unseren freien Tagen spielt das Wetter auch nicht mit, so dass wir die urspruenglich mit Ursula geplante Tour zum Fuji abblasen. Und es gibt noch vieles Mehr zu entdecken, so dass wir uns schon informieren, wie es dort mit WoMo Infrastruktur aussieht. Wir trauen uns zu, naechstes Mal auf eigen Faust loszuziehen, wann auch immer das sein wird.